Mittwoch, 14. Januar 2015

Tage in Mumbai


Sonnenaufgang am Gateway of India
Bahnhof von Mumbai
Unsere muslimischen Freunde
Am Bazaar
Mit dem Bus von Candolim nach Panjim, stehend (eine echte Herausforderung für meinen Gleichgewichtssinn), mit dem Bus nach Madgaon, sitzend (was ein Glück :D) von da zum Bahnhof. Wir fahren General Class, das bedeutet Kampf auf dem Bahnsteig, während Luis (mit hohem Ellenbogeneinsatz) die Plätze besetzt, Georg hintergeht um zu übernehmen bis Luis seine Sachen geholt hat, passe ich auf die Rucksäcke auf und werde von gefühlt 50 Indern überrannt.
Zum Glück haben wir aber letztendlich 3 gute Plätze. Die nächsten 11 Stunden verbringen wir mit Karten spielen, quasseln und dem erbärmlichen Versuch zu schlafen, bis wir um 6 Uhr früh endlich in Mumbai ankommen. Der Zug zu spät, der Bahnhof überfüllt, der Sonnenaufgang am „Gateway of India“ ein Traum…Standard. :D Die Hotelsuche eine Qual, der Schlaf am Vormittag die Wohltat des Tages, das Essen danach noch besser…Standard. Der Stadtteil, in welchem unser Hotel steht, nennt sich Colaba, sehr belebt und deutlich das Travellereck. Diesen erkunden wir etwas und finden uns abends auf einer Art Bazaar wieder, sehr bunt, sehr laut, wie eigentlich die ganze Stadt…naja eher wie ganz Indien. Der nächste Tag läuft ähnlich ab, wir liegen so ungefähr bis mittags im Bett, erkunden die Gegend und finden uns abends in einem muslimischen Eck wieder, in welchem ein Riesenfest steigt, denn es ist der Geburtstag des Propheten Mohammed. Hier werden wir von einer Gruppe älterer Herren zum Tee eingeladen und finden in ihnen neue Freunde, die uns sogar auf  2 Mofas (ich könnte mich als Ma‘am ja schließlich unwohl fühlen mit einem fremden Mann zu fahren, so mache ich es mir im Damensitz hinter Luis und einem der Muslime bequem) zurück nach Colaba fahren. Und wieder bricht ein neuer Tag in dieser Riesenstadt an. Diesmal sind wir nicht ganz so spät unterwegs und wollen in der sogenannten „Gay-Lord-Bakery“ (Na wer is wohl auf die Idee gekommen…?)  frühstücken. Auf dem Weg dorthin werden wir für den nächsten Tag eingeladen als Statisten in einem Bollywoodfilm („Fan“ soll er heißen, Date of Release: 14. August) mit Shah Rukh Khan mitzuspielen, Essen, Trinken und Transport kostenlos + 500 Rupien für jeden…Wer kann da schon Nein sagen? :D  Die Jungs wollen eigentlich weiter zur GobalPagoda, ich auch, jedoch kränkel ich bereits seit meinem Aufenthalt im Kloster immer wieder mit Halsschmerzen, laufender Nase etc. und dieser Tag ist tatsächlich ein eher schlechter für mich, so kehre ich zurück zum Hotel, ruhe mich aus und lass mir am Abend Essen mitbringen und Photos zeigen. Eine Nacht schlafen und schon geht’s auf nach Bollywood, nachdem meine Modelkarriere ja bereits gescheitert ist, versuche ich mich jetzt also als Schauspielerin :D
Die Szene spielt an einer indischen Hochzeit, dementsprechend werde ich eingekleidet. Jedoch ist mein einzig großer Auftritt (der zum Glück nicht aufgenommen wurde) der Moment in dem ich im Studio von der Treppe falle, in der Mitte des Saals vor allen Leuten natürlich…damit tauge ich wohl auch als Schauspielerin eher wenig :D das überlasse ich dann doch lieber Mr. Khan, der, obwohl alt geworden, noch seine Machochoreographien tanzt mit einem Elan, bei dem man meinen könnte, dass er tatsächlich so tickt. Nachdem wir also um 2 Uhr nachts dank der Klimaanlage halb erfroren (ich zumindest, die Jungs durften natürlich warme Sachen tragen…-.-) endlich wieder ins Hotel zurückgefahren werden, fallen wir müde in unsere Betten um später unseren letzten Tag in Mumbai genießen zu können. Das bedeutet wieder ausschlafen etc…Heute geht’s ins Museum of Modern Art, eigentlich geht die gesamte Ausstellung nur um einen Kricketspieler, ist jedoch dennoch ganz cool gemacht. Georgs gesundheitlicher Zustand sinkt jedoch während des Tages rapide, sodass er nachmittags mit Fieber im Bett liegt und wir uns entschließen, das heute doch erst unser vorletzter Tag ist bevor wir weiter Richtung Norden ziehen. Zum Glück scheint ihn die Ruhe und Nacht zu heilen, sodass er am nächsten früh wieder fit ist. So verbringe ich dank meiner beiden Clowns ein sehr witziges Frühstück, aber einen wenig spannenden restlichen Tag in Mumbai.


In Bollywood



Donnerstag, 8. Januar 2015

Neues Jahr, neues Land, neues Glück



Die 3 Musketiere für die nächsten Wochen
Nach den wunderbaren Teachings Seiner Heiligkeit, der Gesellschaft von über 200.000 tibetischen Mönchen, dem Leben im Kloster fährt die ganze Gruppe zurück nach Goa. Jedoch trennen sich unsere Wege in Panjim, der winzigen Hauptstadt von Goa, von wo aus die Gruppe nach Süden fährt und ich etwas weiter Richtung Norden nach Candolim, wo mein Neujahrs-Hotel und viel wichtiger meine Bodyguards auf mich warten, auf die ich mich sehr freue. Georg und Luis, meine 2 Lieben aus Erlangen, mit welchen ich Abi gemacht habe und mit welchen ich in den künftigen Wochen das echte Indien erleben werde. Doch davor gilt es erstmal Goa zu genießen, Silvester (ein sehr dürftiges Feuerwerk aber dafür unzählige buntleuchtende Casinoboote auf dem Wasser) und Luis‘ Geburtstag  mit einigen Cocktails zu feiern und noch ein vorerst für die nächste Zeit letztes Mal im Meer zu schwimmen. So verbringen wir 3 Tage voller nichts-tun, chillen, schlafen, essen und wieder nichts-tun. Sehr entspannt, aber irgendwann langweilig. Doch nachdem es uns so schwer fällt einen neuen Plan für die Weiterreise zu schmieden, schließlich sind wir ständig mit nichts-tun beschäftigt, ist es gar nicht so einfach aus Goa wegzukommen. So entsteht der Plan während der Abreise und geht tadellos auf. Wohin? Mit dem Nachtzug nach Mumbai…

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Happy New Year!!!

Ein merkwürdiges Gefühl so kurz vor dem Jahreswechsel.
2014. Ein Jahr, in welchem sich so viel für mich verändert hat wie in kaum einem anderen.
Ich habe mit meinem bestandenen Führerschein ein neue Option von A nach B zu gelangen, habe mit meinem Abi die Schule abgeschlossen, bin offziell von einem Mädchen zu einer jungen Frau herangewachsen mit meinem achzehnten Gebutstag, habe im schönsten Erlanger Cafè (LaBarca) zu arbeiten begonnen, habe Zeit für Familie und Freunde gefunden, habe neue tolle Menschen (auf manchmal skurile) Weisen kennengelernt, habe mir die Möglichkeit gegeben mein Leben allen Möglichkeiten zu öffnen, und habe mich schließlich auf in das größte Abenteuer meines bisherigen Leben begeben.
Dieses hat mir bis jetzt so viel beigebracht, manchmal meine ich, sogar mehr als meine 12 Jahre Schulalltag, mir einige Schwierigkeiten bereitet und mich so an mir arbeiten lassen, mich geprägt, verändert und reifer werden lassen. Es zeigt mir wichtige und große Probleme, mit denen diese Welt zu kämpfen hat und zeigt mir, dass es Lösungen gibt, dass jeder Einzelne sowie er zu einem Problem beitragen auch zur Lösung beitragen kann. Egal wie klein ein solcher Beitrag ist, so groß kann doch auch seine Auswirkung sein, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings in Mumbai, der in New York (?) einen Orkan auslöst.
Wenn wir das realisieren, steht uns die Welt mit all ihren Möglichkeiten offen und wir können lernen dieser Erde, die sie uns leben lässt, uns unsere Existenz ermöglicht, für all das unendlich dankbar zu sein und ihr so viel zurückzugeben wie möglich.
Geben und Nehmen, Nehmen und Geben. Dieses Balance gilt es zu halten.
So nehme ich nun all die Gedanken an, die manche von euch mir widmen, egal ob gut oder schlecht und so gebe ich euch nun all meine guten Wünsche und meine Liebe für das neue Jahr.

LASST ES KRACHEN!!!


Dienstag, 30. Dezember 2014

Merry HH-Ness!


Bodenverzierungen
Unsere private kleine Weihnachtsfeier mit Lebkuchen, Stollen,
Plätzchen...nur der Glühwein hat gefehlt :D
Am 23.Dezember sehr früh am Morgen klingelt mal wieder mein Wecker. Heute beginnen die Teachings des Dalai Lama und wir wollen ja versuchen noch halbwegs vernünftige Plätze zu ergattern zwischen ich weiß nicht wie vielen 100.000 Menschen. Und erneut habe ich Glück, ich hab den meiner Meinung nach zweitbesten Platz erwischt, denn ich sitze tatsächlich in der großen Halle und nicht irgendwo außerhalb, zwar recht weit hinten und ohne Blick auf Seine Heiligkeit, dafür sitzen direkt vor mir drei kleine Mönche. Naja, eher Kinder in Mönchsroben und ununterbrochen Unsinn bauend. Der kleinste und ruhigste ist ca. 4 oder 5 Jahre alt und hat für einen Tibeter recht große Kulleraugen. Und ich habe mich natürlich sofort verliebt in den Kleinen, am liebsten hätte ich ihn eingesteckt und mitgenommen, so purzelig wie er war.  Schade, dass diese Möglichkeit nicht gegeben war…
Die Unterweisungen selbst sind grandios, auch wenn es nur eine englische Übersetzung gibt und diese nicht immer unbedingt einwandfrei funktioniert. Die Atmosphäre, die tibetischen Gesänge und Gebete der Mönche lassen diese kleinen Hindernisse jedoch als nicht existent erscheinen.
Nebenbei ist mir übrigens Richard Gere über den Weg gelaufen, also wortwörtlich 1m vor mir, wenn man jedoch zwischen so vielen hohen tibetisch-buddhistischen Lehrer weilt und manchmal die Möglichkeit und die Ehre hat, mit ihnen zu sprechen und sogar als Gruppe zum Essen von ihnen eingeladen wird, ist das wirklich eher ein „Nebenbei“ (auch wenns natürlich trotzdem irgendwie cool war :D). Auch meine Freunde aus Singapur habe ich dort wiedergetroffen, was mich sehr freute.
 Die größte Ehre war für mich jedoch (auch irgendwie das absurdeste) am Heilig Abend der Stimme des Dalai Lama lauschen zu können, sein fröhliches Lachen zu hören... Merry HisHoliness! :)


Jedenfalls gab es viel zu sehen, zu kaufen und zu erleben und am meisten wohl zu lernen.
Mein Thema (wir hatten netterweise Zettel verlost und meiner war zugegeben sehr passend) ist die Unbeständigkeit. Es gibt nun einmal nichts, was ewig ist, was beständig ist, alles ist vergänglich. Alles und Jeder. Und auch wenn das in unserer Gesellschaft immer betrauert wird, sollten wir lernen, dass es dafür keinen Grund gibt. Denn nur dadurch, dass etwas Altes vergeht, kann etwas Neues entstehen. Und vor diesem Neuen sollten wir uns nicht verschließen, denn egal ob gut oder schlecht, auch das wird wieder vergehen. So beginnt man glücklicher zu leben, wenn man dem Vergangenen für alles dankbar ist und es mit allen guten Wünschen gehen lässt und Entstehendes Willkommen heißt und ihm mit der Motivation entgegentritt, das Beste aus ihm rauszuholen.
So verändert alles und jeder seine Form, seine Sichtweise, sein Bestehen, so verändert sich alles in jedem Moment und so entsteht die Welt in jedem Augenblick neu.
Lass alles gehen, damit alles neu entstehen kann!
Gib deiner Welt die Möglichkeit in jedem Augenblick auf eine positive Weise neu zu entstehen!
Liebe!
Und sei glücklich!

Freitag, 26. Dezember 2014

Das Land der/s…?


Und wieder allein, wohl das erste Mal seit meiner Ankunft im Mindfulness-Project, und dennoch begleitet von all meinen Erlebnissen und Erinnerungen an die letzten Wochen, suche ich mir meinen Weg durchs Hotel zur Straße, durch den Flughafen (der eigentlich mehr an eine überteuerte Shoppingmeile erinnert) zum Gate und durchs Flugzeug zu meinem Sitzplatz. Nach etwas Verspätung heben wir ab und ich bereite mich geistig schon auf die größte Demokratie der Welt, das Land des Mülls und der Farben, das Land mit der riesigen Schere zwischen arm und reich, das Land, in welchem Kühe heilig sind und Frauen teilweise noch starke Unterdrückung erfahren, das Land mit der wohl größten kulturellen wie auch religiösen Vielfalt, das Land der Bollywoodfilme, -tänze und
-gesänge, das Land, welches mich von der Ferne immer auf eine ganz bestimmte Art fasziniert hat und welches mich jetzt, da mich nur noch wenige Stunden Flugzeit von ihm trennen, doch äußerst nervös werden lässt:
INDIEN.

Flughafen in Mumbai
Beginnen werde ich mein Reise durch Indien in Goa, eigentlich Mumbai, aber das lasse ich nicht so ganz zählen, da ich dort lediglich irgendwie den Flughafen wechseln muss und mich somit beinahe nur zwischen Gates, Flugzeugen und Indern aufhalte. In Goa angekommen (Schmerzlich muss ich feststellen, wie christlich Goa ist und somit Weihnachten auf ähnlich gewöhnungsbedürftige Weise feiert wie Bangkok, jedoch immerhin mit mehr gläubigen Hintergrund) werde ich abgeholt und zu einem Hotel gebracht (etwas viel Luxus und Komfort in den letzten Tagen :D), in welchem ich mich mit einer Gruppe von Leuten, die durch das Tibethaus Deutschland verknüpft sind, treffe und mit welchen ich am 4. Advent in eine tibetische Flüchtlingssiedlung namens Mundgod aufbrechen werde. Erstmal im Hotel an der Rezeption empfängt mich Elke, die Leitern und eine gute Freundin (für mich eher Tante…Hey, das ist von ihr :D), was mich ungemein freut. Was ich allerdings bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ist, dass ich die kommenden 2 Tage Urlaub vom Reisen nehmen soll.
hübsch was?!
Kurzfassung: All Inclusive, Riesenpool, eigenes kleines Häuschen, 1 min Fußweg zum Strand (wobei mich der ja nach meiner Paradieserfahrung in Thailand mehr schockt als beeindruckt :D, ja ich weiß ich bin mittlerweile verwöhnt, während ihr zum großen Teil in Deutschland sitzt und friert :D:D:D) mehrere Bars und Restaurants (Menü oder Buffett…natürlich Buffett und was für eins :D)  und dementsprechend teuer…
Ich werde fett...:( aber sooo lecker :D
So genieße ich zwar den Aufenthalt und vor allem das Essen, dass mir zum Teil von meinem neuen Freund, dem Kellner Lucio (ein netter älterer Inder, der sich gerne mit mir unterhält), mehr oder weniger aufgezwungen wird, bin aber doch auch sehr froh, als wir abreisen.
Ich merke mittlerweile, wie ich unterwegs sein will, wie sehr es mir gefällt so einfach und natürlich zu leben wie möglich. Ich brauche und will diesen Luxus, mit welchem sich manche Menschen so schmücken, nur weil sie ein verletztes Ego und zu viel Stolz besitzen, nicht. Ich will umweltbewusst, sozial, achtsam und glücklich leben, mehr denn je.
So bin ich voller Vorfreude auf der 6 stündigen Fahrt in unserem kleinen „Partybus“ auf Mundgod. Hier wohnen wir in einer Art Klosterstadt in eben einem dieser Klöster. Ich erkenne den Mönch, der sich um uns kümmert aus Singapur wieder und umgekehrt. Ein überraschendes Wiedersehen.

Warum nun aber sind wir als ganze Gruppe hier?

Der Name "unseres" Klosterteils
Ganz einfach: His Holiness, XIV. Dalai Lama wird an diesem Ort 6 Tage lang (23.-29.12.) Teachings geben vor 200.000 tibetischen Mönchen, einigen Tibetern, ein paar Indern und noch weniger Westlern. Wir haben zum Glück einen Tag Zeit bevor die Unterweisungen beginnen und können uns eingewöhnen. Die Luft ist tagsüber sehr schlecht, das von den Mönchen gekochte Essen (schonwieder…langsam frage ich mich ob ich seit ich unterwegs bin überhaupt mal schlecht gegessen habe :D) dafür umso besser. Mein WG-Zimmerchen ist ganz oben auf dem Flachdach, womit ich unwissend das Beste Zimmer erwischt habe, wie ich finde, da ich das ganze Dach mehr oder weniger als Balkon nutzen kann und die schönste Aussicht von dort besitze. Morgens kann ich einige Mönche im Hof beobachten und abends das Licht der untergehenden Sonne und sogar einige wenige Sterne, die mir so sehr gefehlt haben, seit meiner Abreise von Koh Chang, wo ich manchmal das Gefühl hatte mehr Sterne als Himmel zu sehen.
Blick von "meiner" Dachterrasse in Mundgod
So genieße ich erst einmal all die neuen Eindrücke, Gerüche, Umgebungen, Farben (diese wunderschönen indischen Kleider…) und Gesichter und lasse alles auf mich wirken. Bis die Teachings beginnen.