Donnerstag, 3. März 2016

Von der Personifizierung des Wortes Arschloch und dem schnellsten Mann Indiens



Es war soooooo schön Weihnachten wieder mit der Familie zu verbringen. Nachdem ich letztes Jahr ja schon über Weihnachten und Neujahr in Indien war, war das dringend notwendig und ganz wunderbar. Allgemein bin ich froh meine 4 freien Wochen in Deutschland verbracht haben zu können. Ich konnte auf den Weihnachtsmärkten herumschlendern, Glühwein trinken, Lebkuchen essen, tanzen gehen, Partys feiern, vor allem aber Freunde treffen (auch wenn ich für einige Leute gerne mehr Zeit gehabt hätte) und mit meiner Familie zusammen zu sein... Aber wie es eben im Leben immer ist, mussten auch meine Ferien mal zu Ende gehen. So sitze ich Donnerstagabend also vor meinem gepackten Koffer mit leichten Schmerzen im Mund und versuche mich auf einen 24-stündigen Aufenthalt in Flugzeugen und Flughäfen einzustellen, was mir nicht allzu gut gelingt… Am nächsten Morgen um halb 5 / 5 werde ich geweckt und muss feststellen, dass sich meine leichten Schmerzen in ziemlich üble Schmerzen verwandelt haben. Und etwas später auch, dass diese üblen Schmerzen von einer fiesen Schwellung kommen. Aber ich habe einen Flieger zu erwischen, demnach fahren meine Eltern und ich los Richtung Frankfurt. Ihr Plan ist es mich dort abzusetzen und sich danach ein Wellness-Wochenende zu genehmigen. Am Flughafen Check-In allerdings sieht sich Mama-Krankenschwester meine Schmerzquelle noch einmal genauer an und sogar mein Papa-Nicht-Mediziner wirkt besorgt, weshalb also (mittlerweile kurz  vor 8) der Erlanger Zahnarzt verständigt wird.
In Delhi
Nach einigem Hinundher wird entschieden, dass ich nicht fliege, woraufhin ich in Tränen ausbreche („Das geht doch nicht! Ich hab Montag Schule! Und…au, das tut weh!) :D Aber meine Argumente sind wenig überzeugend, weshalb wir ein überteuertes Cafe aufsuchen, in dem ich so oder so kaum einen Bissen hinunter bringe, da meine üblen Schmerzen nun Höllenschmerzen gleichen. Ca. 3 Stunden später finde ich mich auf einem Zahnarztstuhl wieder. Nachdem meine Schwellung (Entzündung) behandelt wurde, geht’s weiter zum Kieferorthopäden, dort wird entschieden das, der letzte Backenzahn gezogen werden muss, damit sowas ja nicht nochmal passiert. Erst nochmal in die Stadt um etwas zu essen (es ist mittags um 2), zurück in die Praxis, wieder so fürchterliche Spritzen ertragen, sich den Zahn ziehen lassen, und nach Hause fahren. Als wir dort ankommen ist es abends um 6. Wir sind wohlgemerkt um 5 Uhr früh aufgestanden, ich sollte in Flugzeug irgendwo über den VAE und meine Eltern entspannt im Whirlpool oder einer Sauna sitzen… Tja stattdessen werde ich eine Woche lang liebevollst umsorgt und versuche den verpassten Schulstoff daheim etwas zu lernen… Freitag, eine Woche später, diesmal jedoch ohne den leisesten Schmerz, stattdessen einem guten Gefühl im Bauch, starten wir die gleiche Prozedur, diesmal läuft alles wie geplant und ich fliege entspannt nach Abu Dhabi (mal abgesehen von 2 deutschen Jungs die sich wegen irgendwelchen Kleinigkeiten in voller Lautstärke zoffen), wo ich umsteige in einen Flieger voller Inder und ein paar wenigen Westlern…und hier wird’s spannend:
Flughafen Delhi
Es ist ja so, seit Ende des 2. Weltkrieges werden Rassismus, Faschismus etc. sehr ungern gesehen, die meisten Menschen (mit halbwegs gesundem Menschenverstand)  schätzen Toleranz, kulturelle Vielfalt und eine gewisse Weltoffenheit. Natürlich gibt’s dann noch einige Unglückliche, die andere Ansichten haben. Sie besitzen meist Bezeichnungen wie Neo-Nazi, Rassist oder einfacher Vollidiot. Glücklicherweise verkrümeln sich diese aber meist in ihrer eigenen kleinen Welt irgendwo in ihrem „Vaterland“. Vielleicht schaffen es manche noch bis Österreich, aber auf keinen Fall weiter. Aus Europa raus…unvorstellbar.
Als ich jedoch nach einigen mühseligen Schlafversuchen endlich in Delhi ankomme und darauf warte aussteigen zu können, muss ich Zeuge von menschlicher Dummheit in recht üblem Ausmaß werden.
Ein Inder war wohl frühzeitig aufgestanden um sich sein Handgepäck zu holen um dann festzustellen, dass er tatsächlich zu schnell war. Als er sich das zweite Mal mit allen anderen erhebt, vernehme ich eine männliche, deutsch sprechende Stimme, die nur Unsinn redet. Nein, die nur Unsinn schimpft…beschimpft, den Inder beschimpft, auf Deutsch…:“jaja, aber erstmal alle anderen Leute nerven. Ja, da schauste blöd, was?! Verstehst wohl meine tolle Sprache nicht…?! Etc.“ Diese Stimme hört auch nicht mehr auf Unsinn von unermesslicher Dummheit zu schimpfen. Die Freunde des Stimmenursprungs unternehmen allerdings auch (fast) nichts. Bis sich endlich ein anderer Inder einmischt, der zufälligerweise deutsch versteht und ausgezeichnet spricht, was das soll, warum er so redet und ob er nicht weiß, was Respekt ist. („Endlich jemand der meine schöne Sprache versteht, wohl weiß ich, was Respekt, aber du anscheinend nicht. Und überhaupt, dieses Land, die Leute…etc.“)
Das wundervolle Auto, mit dem ich abgeholt wurde :D

Die meisten anderen Versuche von Deutschen, die sich vor lauter Fremdschämen kaum zu helfen wissen, sich einzumischen (darunter meiner) gehen leider im Lärm der Maschine und der Ignoranz der Personifizierung des Wortes Arschloch unter. Die Diskussion endet als sich die Massen endlich richtung Ausgang bewegen. Als ich an der menschlichen Dummheit in Menschengestalt vorbeilaufe, kann ich es nicht lassen im mein Mitleid für seine erstaunlich ungebildeten und dramatisch begrenzten Ansichten auszusprechen, sicher nicht die eleganteste geschweige denn effektivste Methode mit einem solchen Wesen umzugehen, aber immer noch besser als es gegen die Wand zu klatschen, was ich in diesem Moment für mich eine äußerst verlockende Vorstellung war. Während ich also wenig später an der Einreiseschlange warte, stehen diese Personifizierung und seine Freunde ca. 10m entfernt von mir in der Nachbarschlange. Ich gebe mir wirklich alle Mühe mich in Geduld zu üben, doch als die Stimmen immer lauter und die Finger, die auf mich zeigen immer deutlicher werde, halte ich es nicht mehr aus und begehe die eigene Dummheit einen Kuss mithilfe des Mittelfingers in die Richtung der Stimmen und auf mich zeigenden Finger zu schicken (auch weder elegant noch effektiv, ich weiß), die jedoch definitiv noch dümmere Antwort auf mein Handeln („Weißt du, wo ich dir den Finger gleich hinstecke, Bitch!“ ) lässt mich in einen so heftigen Lachanfall ausbrechen, dass ich Schwierigkeiten habe mich wieder zusammenzureißen, da ich sofort danach an der Reihe bin. Das letzte was ich von der Personifizierung des Wortes Arschloch mitbekam, war, dass es am Schalter stand und nicht weiterkam, Auch an der Gepäckausgabe finde ich ausschließlich Menschen vor, die mir recht normal erscheinen. Manchmal hoffe ich ja, dass Vollidiot und seine Begleiter noch immer dort versauern, denn das wäre wohl sowohl für Indien und dessen Bewohner als auch für Vollidiot das Beste. Ich frage mich bis heute warum diese Leute in diesen Flieger gestiegen sind, wenn sie doch weder Weltoffenheit, noch Verstand, Englischkenntnisse und stattdessen nur Dummheit, Patriotismus etc. besitzen….WARUM??? Warum fliegt sowas verkorkstes nach Indien?
Ich habe mein Gepäck und meine Nerven wieder und 12 Stunden Zeit völlig übermüdet am Flughafen rumzuhängen. Was tun? Erstmal raus aus der Ankunft…auf dem Weg sehe ich einige Inder in Anzug hinter einem Tresen, wirkt schwer wie jemand den man um Hilfe bitten kann und ohne viel sagen zu müssen (Helle Locken ziehen bei Indern scheinbar immer ;P) antwortet mir Amir (der Anzug-Inder), ich sei süß und er bringe mich in eine Lounge, wo ich mich ausruhen könne. Gesagt, Getan und nicht nur das, wie es scheint ist er wichtig genug um ein fremdes Mädchen, dem man seine Reisezeit deutlich ansieht, in einer Edellounge unterzubringen, mit ihr dort Capuccino zu trinken und sie die restliche  Wartezeit dort schlafen zu lassen, alles kostenfrei! Wir unterhalten uns über Arbeit, Schule, Hobbies, dass übliche eben und in einem Nebensatz rutscht im dann elegant heraus, dass er Indiens schnellster Sprinter war. Ich weiß  bis heute nicht, wie viel Wahrheit in dieser Aussage steckte, aber so oder so war es mir eine Ehre seine Bekanntschaft zu machen. So freundlich und hilfsbereit wie er war, hat er mich die vorherigen Ereignisse vergessen lassen und mich erneut dazu gebracht, mich auf die herzlichen und guten Seiten von Menschen zu konzentrieren.
Zurück bei meiner tibetischen Familie
Einige Stunden später sitze ich endlich in einem Flieger, der mich in mein geliebtes Dharamsala bringen soll. Neben mir sitzt ein Inder, der mich relativ schnell in ein hochphilosophisches Gespräch verwickelt. Nein, eigentlich hat er mir Unterricht erteilt, denn ich war absolut nicht im Zustand philosophische Diskurse zu führen.
Noch etwas später erblicke ich Nawang Chöden, Nawang Champa und Sangmo, die mich abholen. Ich hätte tanzen können vor Freude sie wieder zu sehen. Auf dem Weg nach Hause muss ich allerdings schmerzlich feststellen, dass ich so ca. alles Tibetisch vergessen habe, was ich vergessen konnte. Ich verstehe kein Wort.
Am Ratö Labrang angekommen, renne ich freudig die Treppen zu meinem Zimmer hinauf, die Sonne scheint und die Welt scheint voller Wunder.
 

Dienstag, 2. Februar 2016

Bericht Dezember/ Januar 2015/16



Der "Pausenhof" von oben :D
Abend vor Abreise
Dieses Jahr endet mein Adventskalender bereits mit dem 19. Dezember, dem Tag nach der Modulprüfung. Ich hab also noch 19 Tage…oje. Für die Prüfung speziell kann ich mich allerdings während der Schulzeit nur schlecht vorbereiten, dafür ist kaum Zeit. Oder aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, ich mache nichts anderes als mich auf die Prüfung vorzubereiten, denn genau das, was ich während meines normalen Schulalltags lerne, werde ich letztendlich auch gefragt.
Noch 10 Tage bis zur Prüfung: ich werde aus irgendeinem Grund nicht wirklich nervös…
Noch 6 Tage bis zur Prüfung: es hat Minusgrade, keine vernünftige Heizung und von einem isolierten Haus kann ich nur träumen. Ich spüre wie sich meine Kraft und Kondition allmählich dem Ende neigt. Ich lerne nicht mal mehr wirklich, außer dass ich Vokabeln wiederhole und mich abends nochmal mit Nawang Chöden (der Mönch, der mit mir im gleichen Haus wohnt) zusammensetze um noch etwas tibetisch zu sprechen. Das ist das einzige, was mir im Moment als Prüfungsvorbereitung noch sinnvoll erscheint.
Die letzte Schulwoche ist für Wiederholung alles Gelernten gedacht, was nicht bedeutet, dass wir deshalb weniger in der Schule sitzen.
Noch 3 Tage bis zur Prüfung: ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich habe keine Kraft mehr, es ist kalt, es ist grau und es ist mir alles zu viel. Ich will ein geheiztes Haus, Glühwein und Lebkuchen, einen Ofen, in dem das Feuer prasselt und meine Familie. WARUM ist nicht schon Samstag und ich sitze im Flieger nach Deutschland???
Auf dem Weg zum Flughafen
Und dennoch entgeht mir die tatkräftige Unterstützung meiner tibetischen Freunde nicht. Sie geben sich wirklich alle Mühe, um mir zu helfen!
Tag vor der Prüfung: ich habe mich wieder gefangen. Morgen ist es vorbei und egal wie es ausgeht, ich weiß, ich habe mein Bestes gegeben. Und nicht nur das, ich habe mich eingelebt, Freunde gefunden etc. und das ist mir sehr viel wert.
Während der schriftlichen Prüfung: Uh, das macht echt Spaß, wieso habe ich mich die letzten Tage eigentlich so angestellt. Ich mag tibetisch, eine tolle Sprache. Und die Fragen in dem Test sind so schön gestellt und so kreativ zu beantworten. So ein Spaß!!!
Während der mündlichen Prüfung: mein Murmel (ein Stoffmurmeltier, das mich seit meiner Kindheit überallhin begleitet und jede Schwierigkeit mit mir zusammen durchsteht :D ) sitzt auf meinem Schoß, was also kann da schon schief gehen?!
Nach der Prüfung: FERIEN!!!
Mit Nawang Chöden
Tag nach der Prüfung: die Sonne scheint, die Berge sind schneebedeckt, die Prüfung ist vorbei. Auf dem Weg zum Flughafen frage ich mich dann doch, warum ich jetzt ins graue Deutschland fliegen soll?! Nawang Chöden und Nawang Champa (ein Freund, der in der Nähe wohnt) begleiten mich und eigentlich will ich mich nicht von ihnen verabschieden müssen, aber es ist ja nur für einen Monat.
Nach 3 Flügen und viel zu wenig Schlaf werde ich freudestrahlend und mit Katak und Gebetsfähnchen von meinen Eltern und Elke abgeholt. Ich bin so glücklich alle wiederzusehen, dass meine Müdigkeit komplett verfliegt.
Tag nach der Ankunft: Ich lese eine Mail meiner Lehrerin, volle Punktzahl in der Prüfung!!!
Ca. 4 Wochen später am Tag vor Abflug: ich hatte tolle Ferien mit meiner Familie, meinen Freunden etc., und jetzt geht’s langsam wieder Richtung Indien.
Mit Nawang Champa
Tag des Abflugs, 5 Uhr früh: Ich habe höllische Schmerzen im Mund und eine dicke Schwellung. Trotzdem fahren wir los zum Flughafen, denn ich muss ja meinen Flieger erwischen. Mein Zustand verbessert sich aber nicht wirklich, im Gegenteil, sodass wir uns entschließen am Check-in doch noch den Zahnarzt per Telefon um Rat zu fragen. Ungefähr 3 Stunden später finde ich mich im Zahnarztstuhl wieder, wo man mir meine Entzündung behandelt und wenig später einen Zahn zieht. Eigentlich säße ich gerade im Flugzeug irgendwo über der Türkei oder so. Abends bin ich also wieder daheim, in Deutschland wohlgemerkt und lasse mich liebevoll gesund pflegen.
Eine Woche später kann ich dann endlich fliegen. Und obwohl mir der Abschied von meinem deutschen zu Hause, besonders von meiner Familie, sehr schwer fällt, freue ich mich riesig in Dharamsala von meinen tibetischen Freunden abgeholt und in mein wundervolles indisch-tibetisches zu Hause gebracht zu werden.








Sonntag, 27. Dezember 2015

Bestimmte Begegnungen...

 Mit Begegnungen ist es ja so, der erste Kontakt zwischen 2 Menschen ist Augenkontakt, anschließend kommt vielleicht ein Lächeln, etc. und jeder Mensch nimmt einen ersten Kontakt unterschiedlich. Generalisierend scheint es so zu sein, dass Westler, speziell Mitteleuropäer, Augenkontakt als ein „ich registriere dich“ und zusätzliches Lächeln entweder als ein „ich bin ein freundlicher Mensch“ oder als ein „du könntest mir sympathisch sein“ definieren. Was mein bisschen Erfahrung mit Indern (Speziell Punjabis, aber auch andere Inder und manchmal sogar Tibeter) angeht würde ich behaupten, dass für sie ein Nicht-Augenkontakt ein „du siehst mich nicht, aber ich halte dich für (un)attraktiv, deshalb werde ich dich (nicht) anstarren“, ein Augenkontakt „ich habe dich registriert und halte dich für attraktiv“ und ein zusätzliches Lächeln „ich möchte unbedingt mit dir in verbalen Kontakt treten“ bedeutet.
Da passiert es schon häufiger mal, dass einem manche Leute aus dem Auto Komplimente hinterherrufen, hinterherpfeiffen oder einfach nur starren. Es kommt auch vor, dass (junge) Menschen (bei mir in aller Regel männlich) mit ihrem Motorrad anhalten und fragen ob man nicht mitfahren will. Auf der einen Seite denke ich mir in diesen Momenten zwar „Hey, voll nett die Menschen hier“ was bestimmt manchmal auch einfach der Fall ist und dann denke ich mir manchmal allerdings auch, ob das auch passieren würde, wenn ich 45, männlich und etwas molliger wäre. Und das bezweifle ich dann doch stark. Nun ja, trotzdem geschehen viele Dinge meiner Meinung nach einfach aus asiatischer Freundlichkeit. Und ich glaube stark, dass man einfach abwägen muss und lernen muss den Unterschied zu erkennen. Was allerdings immer die richtige Reaktion ist, ist Freundlichkeit, ob in annehmender oder ablehnender Form, ist dann nur noch halb so wichtig.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Bericht November 2015



Mitschüler Tsopema II
Ich lerne. Ich lerne und lerne und lerne und lerne… den ganzen Tag, Grammatik, Wörter, praktische Anwendung. Den lieben langen Tag. Aber das eigentlich Verrückte ist, ich mache das gern, ich lerne gern den ganzen Tag, das bin ich nicht gewohnt. Ich mutiere allmählich unbewusst zum Streber, das kannte ich bisher nicht von mir. Was gute Lehrer, ein gutes Unterrichtskonzept und das Wissen, wofür man gewisse Dinge lernt, nicht alles bewirken können. Da könnte sich die deutsche Schulpolitik ruhig mal eine dicke Scheibe von abschneiden.
Begegnung auf dem Weg nach Tsopema I
Rein schulisch gesehen weiß ich mittlerweile wie ein einfacher tibetischer Satz strukturiert ist, wie die drei Zeiten anzuwenden sind, wie man sagt, dass jemand was hat oder was ist, wie man Fragen stellt und noch ein paar andere kleine grammatikalische Eigenheiten und jede Woche gibt’s einen Haufen neuer Wörter dazu… in der Theorie verstehe ich den Großteil auch, an der praktischen Umsetzung scheitert es dann jedoch noch immer gewaltig. Aber ག་ལེར་ག་ལེར། (slowly, slowly  bzw. langsam, langsam) wie es so schön heißt. Ich habe ja schließlich 2 Jahre Zeit. :D



 Und sonst so:
einer meiner Lieblingsplätze mit ein paar meiner Lieblingstibeter (und Inder)
Am liebsten verbringe ich mein kleines bisschen Freizeit, das ich in der Regel meine nicht zu haben, mit den Tibetern in meiner Umgebung. Das hat netterweise natürlich auch den Vorteil, dass ich nebenbei trotzdem lerne. Aber ich fühle mich einfach auch mittlerweile sehr wohl mit ihnen. Manchmal denke ich, dass das vielleicht daran liegt, dass der Großteil wohl genauso verrückt ist wie ich. Und dass sie alle genauso gern lachen wie ich.
Das Schloss der Queen von Dharamsala
Nonnenkloster in der Nähe der Höhle (Tsopema II)
Aber auch mit Westlern kann es durchaus sehr lustig sein. Zuletzt habe ich 2 deutsche Holgers kennengelernt (der eine ist Mönch, der andere nicht), die übereinander leben und die ich zuerst für ein und denselben Holger gehalten habe, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass es, nachdem ich noch nie einen Holger kennengelernt hatte, im überschaubaren McLeod gleich zwei davon geben soll. Na jedenfalls hat der Nicht-Mönch-Holger einige Voluntäre als Schützlinge, mit denen ich nun auch ab und an mal gern Zeit verbringe. Mit der Zeit lerne ich nun durch solche Geschichten auch immer mehr Menschen kennen, was unglaublich spannend ist.

Meine (man könnte sagen) Nachbarin ist eine alte englische Lady, die lange als Übersetzerin in der Library gearbeitet, namens Ruth. Ich nenne sie auch die Queen von Dharamsala. Sie ist eine so herzliche, liebevolle, geschäftige und erstaunliche Frau mit einem unvorstellbaren Wissen. Und ganz nach der englischen Art treffen wir uns ab und zu bei einer Tasse Tee und unterhalten uns über Buddha und die Welt.  



Tsopema I




Zuletzt waren wir (Lehrer und Schüler) über das Wochenende in Tsopema/Rewalsar (beliebter Pilgerort, ca. 6 Stunden mit dem Auto) als eine Art Schulausflug. Ich war vorher schon einmal dort, aber es ist dennoch immer wieder schön. Auch war es schön mal die Freizeit mit meinen Mitschülern zu verbringen, denn das ist doch immer nochmal anders als Unterricht. Sowie auch 2 Wochen vorher, als wir alle zusammen abends gekocht haben, da das Thema der Woche zu diesem Zeitpunkt nun mal Essen war. In derselben Woche haben wir sogar noch einen neuen Schüler bekommen, der bis dato Visaprobleme hatte (Indien, wie es leibt und lebt :D).  7 Wochen nach Schulbeginn! 7 Wochen! Eigentlich ein Unding den ganzen verpassten Stoff in so kurzer Zeit aufzuholen, da das Lerntempo sowieso schon wahnsinnig schnell ist, aber er macht sich wirklich gut und lernt unglaublich schnell. Wir sind alle ganz baff, vor allem aber froh darüber.
"Der Wanderer über dem Nebelmeer (Tsopema II)"



Guru Rinpoche Statue II
















So geht es mir nun eigentlich sehr gut und ich bemühe mich nicht allzu sehr durchzudrehen wegen meiner Modulprüfung, die ich in weniger als drei Wochen schreiben muss. Aber Stress blockiert ja bekanntlich bloß…von daher: ག་ལེར་ག་ལེར།


P.s. I bedeutet das erste Mal als ich in Tsopema war bzw auf dem Weg dahin und II dann logischerweise das zweite Mal...:)